01 Brand Core
Komplexität in Klarheit übersetzen
Ich möchte komplexe Informationen, Zusammenhänge und digitale Erfahrungen so gestalten, dass Menschen sie leichter verstehen, einordnen und nutzen können.
Am Anfang steht für mich das Verständnis der Aufgabe.
Gestaltung ist mein Handwerk. Design gibt ihr eine Aufgabe.
02 Personal Manifesto
Gestaltung ist mein Handwerk. Design gibt ihr eine Aufgabe

Gestaltung bedeutet für mich weit mehr als Ästhetik. Sie ist das Handwerk, mit dem Ideen sichtbar, Inhalte verständlich und Botschaften erlebbar werden. Design geht für mich einen Schritt weiter: Es setzt diese gestalterischen Mittel gezielt ein, um eine konkrete Aufgabe zu lösen und eine beabsichtigte Wirkung zu erzielen.
Deshalb beginnt meine Arbeit nicht mit Farben, Formen oder Tools, sondern mit Fragen.
Was wollen wir erreichen? Für wen gestalten wir? Was sollen Menschen verstehen, fühlen oder tun? Und welche Rahmenbedingungen müssen wir dabei berücksichtigen?
Bevor ich Lösungen entwickle, möchte ich die Zusammenhänge erkennen. Ich höre zu, recherchiere, hinterfrage und wechsle bewusst die Perspektive. Denn je klarer die eigentliche Aufgabe ist, desto zielgerichteter kann daraus eine gute Lösung entstehen.
Welche Lösung trägt, hängt vom jeweiligen Ziel ab: Aufmerksamkeit erzeugen, Orientierung geben, die Nutzung erleichtern oder die Identität eines Unternehmens sichtbar machen.
Die Aufgabe bestimmt den Maßstab.
Die Grundlage dafür ist solides gestalterisches Handwerk. Darauf bauen Konzept und Idee auf.
Kreativität bedeutet für mich nicht, um jeden Preis anders zu sein. Sie beginnt dort, wo bekannte Lösungen nicht mehr ausreichen, und eine neue Perspektive weiterführt. Manchmal entsteht daraus eine starke Metapher, manchmal eine überraschende Verbindung und manchmal schlicht eine bessere, verständlichere Lösung.
Gute Gestaltung darf schön sein. Sie darf überraschen, begeistern und Spaß machen. Ästhetik ist für mich jedoch kein Selbstzweck, sondern ein Teil der Wirkung.
Zu professioneller Gestaltung gehört für mich auch, Verantwortung für die eigene Empfehlung zu übernehmen. Ich möchte erklären können, warum ich eine Lösung für richtig halte, und gleichzeitig offen für bessere Argumente bleiben.
Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo Expertise respektiert wird, unterschiedliche Perspektiven willkommen sind und gemeinsam um die beste Lösung gerungen werden kann.
Ich möchte Komplexität verständlicher machen, Orientierung schaffen und Menschen den Zugang zu Informationen erleichtern. Und ich möchte dazu beitragen, dass der Außenauftritt eines Unternehmens glaubwürdig vermittelt, wofür es im Inneren steht.
Wenn das gelingt und meine Arbeit einen spürbaren Unterschied macht, weiß ich:
Die Mühe hat sich gelohnt.
03 Design Philosophy
Gestaltung folgt der Aufgabe

Wenn ich Design beurteile, frage ich zuerst, ob es die Aufgabe erfüllt, für die es gestaltet wurde. Ein Kampagnenmotiv und ein Formular können völlig unterschiedlich aussehen und trotzdem gleichermaßen gut gestaltet sein.
Gutes Design entsteht für mich von innen nach außen. Es braucht ein solides Fundament, eine durchdachte Konstruktion, eine passende Gestaltung – und muss sich letztlich an seiner Wirkung messen lassen.
Fundament und Handwerk
Am Anfang steht gestalterisches und technisches Know-how. Typografie, Farbe, Kontrast, Raster, Komposition, Hierarchie und technische Standards bilden die Grundlage. Sie sorgen dafür, dass eine Gestaltung nicht nur interessant aussieht, sondern handwerklich funktioniert. Ein schwaches Fundament lässt sich durch eine attraktive Oberfläche nur begrenzt ausgleichen.
Konstruktion und Konzept
Auf dem Fundament entsteht die konzeptionelle Struktur. Was soll vermittelt werden? Für wen? In welchem Kontext? Welche Informationen sind relevant? Wie müssen sie priorisiert und organisiert werden?
Hier wird aus einer gestalterischen Aufgabe ein Lösungsraum. Das Konzept entscheidet darüber, ob eine Gestaltung lediglich ansprechend aussieht oder ob sie inhaltlich trägt.
Fassade und Gestaltung
Erst darauf baut die sichtbare Gestaltung auf. Bildsprache, Typografie, Farbe, Form, Stil und Ästhetik verleihen einer Lösung ihren Ausdruck. Diese Ebene darf schön sein. Sie darf emotionalisieren, überraschen und Aufmerksamkeit erzeugen. Aber sie sollte zur Aufgabe, zur Zielgruppe und zum jeweiligen Kontext passen.
Wie bei einem Gebäude kann eine beeindruckende Fassade eine gute Konstruktion sichtbar machen. Sie kann sie aber nicht ersetzen.
Wirkung und Ergebnis
Am Ende zählt, was die Gestaltung bewirkt. Wird die Botschaft verstanden? Entsteht Orientierung? Finden Menschen intuitiv ihren Weg? Wird Aufmerksamkeit erzeugt? Ist der Absender erkennbar? Vermittelt der Auftritt die gewünschte Identität?
Je nach Aufgabe werden diese Fragen unterschiedlich beantwortet. Ein aufmerksamkeitsstarkes Kampagnenmotiv kann genauso erfolgreich sein wie ein zurückhaltendes Formular, das Menschen ohne Irritation durch einen Prozess führt.
Deshalb ist für mich Wirkung kein zusätzlicher Schritt am Ende des Designprozesses. Sie ist der Maßstab, an dem die vorherigen Entscheidungen beurteilt werden.
Gutes Design entsteht, wenn Handwerk, Konzept und Gestaltung so zusammenspielen, dass die beabsichtigte Wirkung erreicht wird.
04 Principles
Haltung wird dort sichtbar, wo sie Entscheidungen beeinflusst
Prinzipien sind für mich keine starren Regeln. Sie geben mir Orientierung, wenn ich Entscheidungen treffen, Lösungen entwickeln oder mit anderen zusammenarbeiten muss.
Sie betreffen drei Bereiche: wie ich Gestaltung denke, Ideen entwickle und mit anderen arbeite.
Core Principles

Wie ich Gestaltung denke.
Verstehen geht Gestaltung voraus
Bevor ich gestalte, möchte ich die eigentliche Aufgabe erfassen: Was soll erreicht werden? In welchem Kontext entsteht die Lösung? Welche Rahmenbedingungen bestimmen sie? Erst auf dieser Grundlage kann ich zielgerichtet gestalten.
Gute Gestaltung schafft Orientierung
Gestaltung strukturiert, priorisiert und lenkt. Sie hilft Menschen dabei, Informationen zu erfassen, Zusammenhänge zu erkennen und sich leichter zu orientieren.
Verständlichkeit ist eine gestalterische Leistung
Gutes Kommunikationsdesign entsteht nicht zufällig. Es vermittelt komplexe Inhalte mit Know-how, Neugier und Empathie auf verständliche Weise.
Die Zielgruppe gibt der Gestaltung ihre Richtung
Gute Gestaltung orientiert sich an den Menschen, für die sie entsteht – an ihren Bedürfnissen, Erwartungen und ihrem Kontext.
Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
Die Aufgabe bestimmt den Maßstab
Gutes Design ist passgenaues Design. Es entsteht aus der jeweiligen Aufgabe und muss sich daran messen lassen, ob es die beabsichtigte Wirkung erzielt.
Ästhetik und Funktion gehen Hand in Hand
Gute Gestaltung muss ästhetisch ansprechen, begeistern und Freude machen. Eine Lösung wird eher akzeptiert und gerne genutzt, wenn sie funktioniert und sich stimmig anfühlt.
Gestalterische Entscheidungen brauchen gute Gründe
Gute Gestaltung ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen. Ich möchte erklären können, warum ich eine Lösung empfehle – auf Grundlage der Aufgabe, der Zielgruppe, des Kontexts und der gewünschten Wirkung. Persönlicher Geschmack darf eine Rolle spielen, sollte aber nicht zum alleinigen Maßstab werden.
Gute Gestaltung ist Teamwork
Gute Gestaltung entsteht aus unterschiedlichen Perspektiven und Kompetenzen. Teamwork bedeutet für mich, einander zuzuhören, Expertise zu respektieren, Ideen offen zu diskutieren und gemeinsam um die beste Lösung zu ringen. Entscheidend ist nicht, wer recht behält, sondern was dem Ergebnis dient.
Creative Principles

Wie ich Ideen entwickle.
Kreativität entsteht für mich aus Interesse, Beobachtung, Wissen und der Bereitschaft, unerwartete Verbindungen zu entdecken.
Kreativität beginnt mit ehrlichem Interesse
Gute Ideen entstehen für mich leichter, wenn ich mich wirklich auf ein Thema einlasse. Ehrliches Interesse bedeutet, Fragen zu stellen, zu recherchieren, genau hinzusehen und Zusammenhänge verstehen zu wollen. So entstehen neue Perspektiven und Verbindungen, aus denen sich überraschende Ideen entwickeln können.
Neue Perspektiven schaffen neue Ideen
Gute Ideen entstehen für mich oft dann, wenn ich eine Aufgabe aus einem anderen Blickwinkel betrachte. Ich suche nach Verbindungen, Analogien und Metaphern, die einen abstrakten Gedanken greifbar machen und daraus eine visuelle Idee entstehen lassen.
Inspiration beginnt mit offenen Augen
Inspiration finde ich überall dort, wo etwas meine Aufmerksamkeit weckt – im Design ebenso wie im Alltag, auf Reisen oder in anderen Disziplinen. Ich sammle Eindrücke, beobachte, vergleiche und lerne aus guten wie aus schlechten Lösungen. Dabei geht es mir nicht darum, Ideen zu übernehmen, sondern zu verstehen, warum etwas funktioniert – und daraus etwas Eigenständiges und Passgenaues zu entwickeln.
Kreativität braucht einen Rahmen
Gestaltungsprinzipien, technische Vorgaben und Standards empfinde ich nicht als Gegner kreativer Freiheit. Sie definieren den Rahmen, innerhalb dessen eine Lösung funktionieren muss. Die kreative Herausforderung besteht darin, diesen Rahmen nicht nur einzuhalten, sondern ihn für eine überzeugende Gestaltung zu nutzen.
Ein Corporate Design ist wie ein großes Orchester. Ein Instrument darf auch einmal ein Solo spielen – solange das restliche Orchester im Takt bleibt.
Konsistenz bedeutet für mich deshalb nicht Uniformität. Ein gutes Gestaltungssystem muss Wiedererkennbarkeit schaffen und gleichzeitig genügend Raum für unterschiedliche Aufgaben lassen.
Die beste Idee ist oft die einfachste
Kreativität bedeutet für mich nicht, eine Lösung möglichst komplex oder außergewöhnlich zu machen. Oft liegt die Stärke einer Idee gerade in ihrer Einfachheit. Entscheidend ist, dass sie prägnant und passgenau ist und ihre Wirkung entfaltet.
Einfachheit ist nicht der Verzicht auf Denken. Sie ist oft dessen Ergebnis.
Eine gute Idee muss für sich sprechen
Eine starke visuelle Idee sollte ohne lange Erklärung funktionieren. In einer Welt voller Informationen und visueller Reize muss die zentrale Botschaft schnell erfassbar sein. Wenn eine Idee erst ausführlich erklärt werden muss, hinterfrage ich, ob sie ihre Aufgabe wirklich erfüllt.
Working Principles

Wie ich mit anderen arbeite.
Professionalität und Menschlichkeit gehören für mich zusammen. Die folgenden Grundsätze beschreiben, was ich selbst zu einer guten Zusammenarbeit beitragen möchte.
Vertrauen schafft Verantwortung
Vertrauen bedeutet für mich, Expertise ernst zu nehmen, Freiräume zu geben und darauf zu bauen, dass Menschen ihre Aufgaben zuverlässig und eigenverantwortlich erfüllen.
Zusammenarbeit braucht Augenhöhe
Gute Zusammenarbeit entsteht dort, wo Menschen einander respektieren, offen kommunizieren und unterschiedliche Perspektiven ernst nehmen. Hierarchie kann Verantwortung ordnen – sie sollte aber nicht darüber entscheiden, welches Argument gehört wird. Expertise zählt für mich mehr als Position.
Kommunikation schafft gemeinsames Verständnis
Gute Zusammenarbeit braucht offene, faire und verständliche Kommunikation. Erwartungen, Entscheidungen und unterschiedliche Sichtweisen sollten klar benannt und nachvollziehbar sein. So entsteht ein gemeinsames Verständnis – und damit die Grundlage für Vertrauen und zielgerichtetes Arbeiten.
Fehler sind Teil guter Arbeit
Fehler gehören zur Zusammenarbeit. Entscheidend ist für mich, wie wir mit ihnen umgehen: offen ansprechen, Ursachen verstehen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam eine Lösung finden. Wer einen Fehler macht, sollte die Chance bekommen, ihn mit zu beheben und daraus zu lernen. Nicht um perfekt zu werden, sondern um besser zu werden.
Fachliche Überzeugung verdient Haltung
Ich möchte nur Lösungen empfehlen, hinter denen ich fachlich stehe. Unterschiedliche Meinungen und Alternativen gehören zum Prozess. Am Ende sehe ich es jedoch als meine Verantwortung, eine klare Empfehlung auszusprechen, sie fachlich zu begründen und für sie einzustehen.
Gute Lösungen entstehen im Dialog
Ich möchte gemeinsam die beste Lösung finden, nicht persönlich recht behalten. Dazu gehört für mich, andere Argumente ernst zu nehmen und kompromissbereit zu sein. Entscheidend ist, dass ein Kompromiss dem gemeinsamen Ziel dient und nicht zulasten der Qualität geht.
Unterschiedliche Erfahrungen erweitern den Blick
Ich profitiere von Menschen, die andere Erfahrungen gemacht haben als ich. Unterschiedliche Lebensphasen, Lebensentwürfe, berufliche Hintergründe und Sichtweisen helfen mir, die eigene Perspektive zu hinterfragen, blinde Flecken zu erkennen und Aufgaben aus Blickwinkeln zu betrachten, auf die ich allein vielleicht nicht gekommen wäre.
Verlässlichkeit schafft Vertrauen
Gute Zusammenarbeit braucht Verbindlichkeit. Für mich bedeutet das, Verantwortung für meine Zusagen zu übernehmen, Absprachen einzuhalten und meinen Teil dazu beizutragen, dass andere ihre Arbeit zuverlässig fortsetzen können. Und wenn Unterstützung gebraucht wird, gehört es für mich dazu, füreinander einzustehen.
Sorgfalt und Tempo brauchen Balance
Gute Arbeit muss nicht langsam sein. Aber Qualität entsteht dort, wo ausreichend Zeit für Verständnis, Entwicklung und sorgfältige Umsetzung bleibt. Auch unter Zeitdruck arbeite ich pragmatisch und zielorientiert – entscheidend ist für mich, bewusst zu priorisieren, statt Qualität durch vermeidbare Hektik aufs Spiel zu setzen.
05 Professional Journey
Wie aus Erfahrung Haltung wurde

Mein beruflicher Weg war nicht geradlinig. Rückblickend war das wahrscheinlich ein Vorteil. Viele Erfahrungen, die zunächst wie Umwege wirkten, haben später eine Bedeutung bekommen. Sie haben beeinflusst, wie ich über Gestaltung denke, mit Verantwortung umgehe und warum Lernen für mich bis heute zum Beruf gehört.
Nicht jeder Umweg bleibt ein Umweg. Manche Erfahrungen bekommen ihren Wert erst später.
Den eigenen Weg finden
Meine berufliche Laufbahn begann mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann. Ich schloss sie erfolgreich ab, merkte aber schnell, dass ich dort nicht meine Zukunft sah. Geld und Finanzprodukte waren keine Themen, für die ich mich aus eigenem Antrieb begeistern konnte.
Nach der Ausbildung holte ich über die Berufsoberschule mein Abitur nach. Eine klare Vorstellung davon, was danach kommen sollte, hatte ich noch nicht. Mich interessierte Kommunikationsdesign. Zur Vorbereitung auf ein entsprechendes Studium besuchte ich ein Jahr lang eine Kunstschule und arbeitete an meiner Bewerbungsmappe. Dort beschäftigte ich mich intensiv mit klassischem Zeichnen und Malen.
Die Bewerbung war nicht erfolgreich. Das war enttäuschend, führte später aber zu einer wichtigen Erkenntnis: Künstlerisches Talent und Designkompetenz sind nicht dasselbe. Ich bin kein klassischer Künstler. Meine Stärke liegt darin, eine Aufgabe zu verstehen, Ideen zu entwickeln, Informationen zu strukturieren und daraus eine passende visuelle Lösung zu bauen. Damals konnte ich diesen Unterschied noch nicht so klar benennen.
Zunächst begann ich ein Studium der Wirtschaftsinformatik. Meine Hoffnung war, über Webentwicklung doch einen Zugang zur Kreativbranche zu finden. Parallel arbeitete ich bei Infineon in der internen Kommunikation. Dort bekam ich unmittelbaren Einblick in die Arbeit eines Grafikdesigners und stellte fest, dass mich diese wesentlich stärker interessierte als mein Studium.
Ich brach Wirtschaftsinformatik ab und absolvierte anschließend zwei Semester zum Multimedia Producer an der SAE. Über ein Praktikum bei der Agentur 3Salz wurde Gestaltung schließlich mein Beruf.
Gestaltung wird zum Beruf
Die kleine, inhabergeführte Agentur 3Salz war mein Einstieg in den professionellen Designalltag. Ich bekam früh direkten Kundenkontakt und lernte, mit Wünschen, Budgets, Terminen und manchmal sehr ungefiltertem Feedback umzugehen. Fehler hatten Konsequenzen. Diese Nähe zum Kunden war eine wichtige Schule: Ich musste Verantwortung übernehmen und meine Arbeit auch aus der Perspektive anderer beurteilen.
Bei internen Pitches entwickelten wir häufig unterschiedliche Vorschläge. Meine Konzepte setzten sich dabei vergleichsweise oft durch. Zusätzlich präsentierten wir gewöhnlich einen besonders ungewöhnlichen oder „verrückten“ Entwurf, um Kreativität zu demonstrieren. Diese Vorschläge wurden praktisch nie gewählt. Für mich begann sich daraus eine Haltung zu entwickeln, die mich bis heute begleitet:
Kreativität ist kein Selbstzweck. Eine Idee ist nicht gut, weil sie besonders ungewöhnlich ist, sondern weil sie zur Aufgabe passt.
Auch technisch war diese Zeit prägend. Ich erlebte den Wechsel von QuarkXPress zu InDesign mit und konnte an der Einführung neuer Arbeitsweisen mitwirken. Nach einigen Jahren wollte ich mich verändern, auch wenn ich noch nicht genau wusste, wohin.
In der Komplexität wachsen

2008 wechselte ich zu Wealthcap. Aus der kleinen Agentur kam ich in ein reguliertes Finanzunternehmen mit komplexen Produkten, Compliance-Vorgaben, Hierarchien und umfangreichen Abstimmungen. Ich ging ziemlich unbedarft an diese neue Aufgabe heran. Ich hatte große Lust zu gestalten und musste erst lernen, wie viel mehr dieses Umfeld von mir verlangte.
Als Desktop Publisher gestartet, übernahm ich zunehmend Verantwortung. Das interne Grafikteam wurde kleiner, bis ich als letzter Grafikdesigner einen großen Teil der gestalterischen Aufgaben rund um Vertriebs- und Produktkommunikation betreute. Mit der Verantwortung wuchs die Arbeitsbelastung erheblich.
Eine Zeit lang glaubte ich, das vor allem durch bessere Organisation lösen zu müssen. Ein Seminar zum Zeitmanagement führte zu einer überraschend einfachen Erkenntnis:
Nicht jedes Kapazitätsproblem ist ein Organisationsproblem. Manchmal ist es schlicht zu viel Arbeit.
Diese Erkenntnis half mir, die Situation realistischer einzuordnen. Auch wenn sich an den äußeren Rahmenbedingungen zunächst wenig änderte, entwickelte sich mit der Zeit mein Umgang damit. Ich wurde ruhiger und widerstandsfähiger und lernte, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.
Resilienz bedeutet für mich trotzdem nicht, unbegrenzt Belastung aushalten zu müssen. Sie hilft mir, Schwierigkeiten einzuordnen, nach Belastungen wieder Stabilität zu finden und die eigenen Grenzen ernst zu nehmen.
Vom Gestalten zum Mitdenken

Im Laufe der Jahre veränderte sich meine Rolle deutlich. Anfangs setzte ich Aufgaben und Briefings um. Später arbeitete ich immer häufiger daran mit, was eigentlich die richtige Aufgabe war. Routinearbeiten wurden teilweise an Agenturen vergeben; mein Schwerpunkt verlagerte sich stärker auf Konzeption, Steuerung und Beratung.
Besonders prägend war die Zusammenarbeit mit Market Research. Themen wie Büroimmobilien, Private Equity oder wirtschaftliche Entwicklungen waren oft komplex und zunächst wenig visuell. Ich bereitete Zahlen und Zusammenhänge so auf, dass sie verständlicher und schneller erfassbar wurden.
Dafür musste ich selbst verstehen, was dargestellt werden sollte. Ich entwickelte erste Visualisierungen, besprach sie mit den Fachkollegen, korrigierte mein Verständnis und überarbeitete die Darstellung. Der Entwurf wurde dabei selbst zu einem Werkzeug des Denkens.
Diese Erfahrung hat meine heutige Positionierung stark geprägt: Komplexität in Klarheit übersetzen. In einem regulierten Umfeld heißt das allerdings nicht, Komplexität einfach zu entfernen. Risikohinweise, Pflichtangaben und rechtliche Anforderungen mussten vollständig und korrekt bleiben. Die Aufgabe bestand darin, innerhalb dieser Komplexität Orientierung zu schaffen.
Corporate Design als System
Beim Rebranding 2019 arbeitete ich eng mit der verantwortlichen Agentur zusammen. Ich begleitete die Weiterentwicklung des Logos, Bildwelten, Shootings und die Umsetzung des neuen Erscheinungsbildes über unterschiedliche Medien hinweg. Dabei erlebte ich, wie gut sich interne Erfahrung und externe Distanz ergänzen: Die Agentur bringt neue Perspektiven mit, der interne Designer kennt Organisation, Medien und typische Probleme des Alltags.
Gleichzeitig zeigte sich, dass ein Designsystem anpassungsfähig bleiben muss. Eine der ausgewählten Schriften funktionierte im Web nicht überzeugend und wurde dort ersetzt. Konsistenz war wichtig, durfte aber nicht zulasten der Funktion gehen.
Beim Facelift 2023 war ich wesentlich stärker konzeptionell beteiligt. Eine intensive Diskussion entstand um die bisherige Unternehmensfarbe Rot. Ich hielt es im Finanzkontext zunehmend für problematisch, dieselbe Farbe als Markenfarbe und zugleich als Warn- beziehungsweise Negativfarbe einzusetzen. Nach einer langen, anstrengenden Diskussion konnte ich mich mit meiner fachlich begründeten Empfehlung durchsetzen, die Primärfarbe zu verändern.
Fachliche Haltung bedeutet nicht, unnachgiebig zu sein. Aber eine Empfehlung verliert ihren Wert, wenn man sie nicht vertreten kann.
Lernen als Teil der Arbeit
Mein Aufgabengebiet wurde immer breiter. Zu Print und Web kamen Messestände, Veranstaltungen, Präsentationen, Fotoshootings, Datenvisualisierung, Bewegtbild, digitale Vertriebsmedien, Filmstudio und räumliche Gestaltung.
Meist begann eine Erweiterung damit, dass es eine Aufgabe gab, für die ich etwas noch nicht konnte. Also beschäftigte ich mich damit. Nach einer kurzen Weiterbildung in Motion Design war ich selbstverständlich kein Spezialist. Ich konnte aber einfache Aufgaben selbst übernehmen, etwa Sequenzen aus bestehendem Filmmaterial erstellen oder kleinere Erklärformate produzieren.
Für manche Aufgaben war das wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoller, als eine Agentur zu beauftragen und aufwendig zu briefen. Für andere blieb ein Spezialist die bessere Wahl. Einschätzen zu können, wann die eigene Kompetenz reicht und wann zusätzliche Expertise gebraucht wird, gehört für mich zur Professionalität.
So entstand ein Muster, das mich bis heute begleitet: Eine neue Anforderung verstehen, dazulernen, etwas ausprobieren und das Gelernte in die eigene Arbeit integrieren.
Verantwortung neu erleben

Mit der Corona-Pandemie brachen zahlreiche Produkte, Vertriebsmaßnahmen, Veranstaltungen und Messen abrupt weg. Gleichzeitig geriet Wealthcap in eine längere wirtschaftlich schwierige Phase. Budgets wurden reduziert, Teams kleiner, und langjährige Kollegen verließen das Unternehmen. Darunter waren Menschen, mit denen ich viele Jahre eng zusammengearbeitet hatte.
Nach Phasen sehr hoher Belastung erlebte ich zunehmend das Gegenteil: zu wenig Arbeit, zu wenig Perspektive und zu wenig von dem, wofür meine Erfahrung gebraucht wurde. Dieser Wechsel von einer Situation nahe der Überlastung zu starker Unterforderung war irritierend. Trotzdem entstand gerade in dieser Zeit eines der Projekte, auf die ich besonders gerne zurückblicke.
Das Intranet neu denken
2025 musste das bestehende Intranet technisch ersetzt werden. Mein neuer Vorgesetzter übertrug mir ungewöhnlich viel Verantwortung. Er wollte informiert sein, aber nicht jede Entscheidung selbst treffen. Nach vielen Jahren mit umfangreichen Abstimmungen war dieses Vertrauen für mich ein Befreiungsschlag.
Ich arbeitete mit IT, einer externen SharePoint-Agentur und einer Werkstudentin zusammen. Die Technik war nur ein Teil der Aufgabe. Die gewachsene Informationsarchitektur enthielt zahlreiche Redundanzen und überholte Strukturen. Wir begannen deshalb an vielen Stellen praktisch auf einer leeren Seite: Inhalte bewerten, neu ordnen und migrieren, Verantwortlichkeiten stärker in die Fachbereiche verlagern und die zukünftigen Autoren schulen.
Auch gestalterisch brauchte es pragmatische Entscheidungen. Ich verzichtete bewusst darauf, die Unternehmensschriften technisch aufwendig in SharePoint zu integrieren, weil Aufwand, Wartung und Nutzen für mich in keinem sinnvollen Verhältnis standen.
Manchmal ist weniger Gestaltung die professionellere Gestaltung.
Das Projekt zeigte mir, wie weit meine Arbeit inzwischen über die Gestaltung einzelner Medien hinausging. Informationsarchitektur, Nutzerorientierung, Koordination, Entscheidungen und Wissenstransfer gehörten ebenso dazu. Auch die Autorenschulungen waren persönlich wichtig: Ich suche nicht automatisch die Bühne. Wenn Verantwortung es erfordert, kann ich sie aber betreten.
Abschied und Weiterentwicklung

Das Intranet-Projekt änderte die grundsätzliche Situation des Unternehmens nicht. Die letzten anderthalb bis zwei Jahre waren zunehmend von Einsparungen, Abschieden und fehlender Perspektive geprägt. Schließlich entschied ich mich, Wealthcap nach 17 Jahren im Rahmen eines Abfindungsangebots freiwillig zu verlassen. Ob das rückblickend die richtige Entscheidung war, kann ich heute nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Ich möchte sie auch nicht nachträglich zu einer perfekten Karrieregeschichte umdeuten.
Wealthcap war weit mehr als ein Arbeitgeber. Ich erlebte Belastungsgrenzen und Unterforderung, große Gestaltungsspielräume und langwierige Abstimmungen. Kollegen wurden zu Freunden, andere Zusammenarbeit war schwierig. Es gab Frust, Erfolge, Unsicherheit und sehr viel gemeinsames Lachen.
Vor allem habe ich dort ständig gelernt. Ich kam als Junior-Designer in ein komplexes Unternehmen und ging mit mehr Ruhe, Erfahrung und einem klareren Verständnis davon, wie ich arbeiten möchte. Diese Zeit hat mich beruflich und persönlich stark geprägt und zu einem großen Teil zu dem Designer gemacht, der ich heute bin.
Erfahrung neu übersetzen
Nach meinem Abschied wollte ich meinen bisherigen Berufsweg nicht einfach unverändert fortsetzen. Mich interessierte schon länger, warum manche digitalen Produkte intuitiv funktionieren und andere Menschen gegen ihre Benutzeroberfläche kämpfen lassen. Wo muss ich klicken? Was passiert als Nächstes? Hat das System meine Eingabe verstanden? Warum heißt eine Funktion so, obwohl niemand sie unter diesem Begriff suchen würde?
Im beruflichen Alltag hatte ich erlebt, wie interne digitale Lösungen trotz nachvollziehbarer fachlicher Absicht kaum angenommen wurden, weil ihre Nutzung zu kompliziert oder aufwendig war. Ein Produkt kann fachlich sinnvoll und technisch funktionsfähig sein. Wenn Menschen es nicht benutzen wollen, hat es trotzdem ein Problem.
Aus Intuition wird Methodik
Deshalb absolvierte ich eine intensive Weiterbildung in UX/UI Design. Vieles kam mir erstaunlich bekannt vor: visuelle Hierarchie, Orientierung, Zielgruppen, Informationsarchitektur, Verständlichkeit und Konsistenz. Neu waren vor allem die methodischen Werkzeuge und präzisen Begriffe.
Research, User Flows, Journey Maps, Testing, Designsysteme und Accessibility gaben Dingen eine Struktur, die ich zuvor oft intuitiv berücksichtigt hatte. Für mich lässt sich diese Erfahrung so zusammenfassen:
Aus Intuition wurde begründbares Expertentum.
Heute kann ich präziser erklären, warum eine Gestaltung funktioniert oder möglicherweise nicht funktioniert. Und ich habe noch deutlicher verstanden, dass ein Rahmen Kreativität zielgerichtet machen kann.
KI verstehen statt ignorieren
Die nächste große Veränderung meines Berufs erlebe ich gerade. Künstliche Intelligenz verändert, wie Texte, Bilder, Videos, Recherche und kreative Prozesse entstehen. Für mich war schnell klar: KI ist gekommen, um zu bleiben. Ich wollte sie verstehen und absolvierte eine Weiterbildung mit Schwerpunkt KI für Content, Design und visuelles Marketing.
Die intensive Beschäftigung damit hat KI für mich ein Stück weit entzaubert. Sie zeigte mir die Leistungsfähigkeit der Werkzeuge und zugleich, wie wichtig fachliche Beurteilung, Kontext und gestalterische Erfahrung bleiben.
Mein Workflow verändert sich dadurch bereits. Früher begann die Recherche vielleicht bei Pinterest oder mit ersten Skizzen in Photoshop und Illustrator. Heute kann ein Dialog mit einer KI beim Briefing beginnen: Fragen formulieren, Informationen strukturieren, Ideen diskutieren, Varianten entwickeln und erste Visualisierungen erzeugen. Anschließend bewerte ich die Ergebnisse kritisch, wähle aus und entwickle sie mit klassischen Werkzeugen weiter. Für mich erweitert das meine bisherige Erfahrung.
Was bleibt
Ich habe mich immer dann weiterentwickelt, wenn sich die Anforderungen meiner Arbeit verändert haben. Manchmal freiwillig, manchmal aus Notwendigkeit und manchmal über einen Umweg, dessen Nutzen erst Jahre später sichtbar wurde.
Ich weiß nicht, wie mein Beruf in zehn Jahren aussehen wird. Werkzeuge, Prozesse und Berufsrollen können sich deutlich verändern. Ich möchte neugierig genug bleiben, diese Veränderungen zu verstehen, weiterzulernen und meine Erfahrung auf neue Aufgaben zu übertragen.
06 My Contribution / My Impact
Nicht laut und doch sichtbar

Ich möchte Spuren hinterlassen, indem etwas besser funktioniert als vorher: ein professionellerer Außenauftritt, ein Designsystem, das Kollegen die Arbeit erleichtert, oder eine Anwendung, in der Menschen schneller verstehen, was sie tun sollen.
Für mich zeigt sich der Wert meiner Arbeit deshalb auch darin, was sie anderen ermöglicht.
Einen sichtbaren Unterschied machen
Präsentationen, Websites, Vertriebsunterlagen, Messestände und digitale Anwendungen prägen den Eindruck, den Menschen von einem Unternehmen gewinnen. Sie sollten professionell aussehen und glaubwürdig vermitteln, wofür das Unternehmen, seine Produkte und Leistungen stehen.
Dabei möchte ich dem Unternehmen keine persönliche gestalterische Handschrift aufdrücken. Gute Gestaltung soll den Absender stärken.
Besonders wertvoll wäre für mich, wenn Kollegen nach einer Überarbeitung des Außenauftritts auf Messen und anderen Außenterminen regelmäßig positives Feedback bekommen. Dann würde die Wirkung auch außerhalb der eigenen Fachwelt sichtbar.
Gestaltung im Unternehmen verankern
Ein professioneller Auftritt braucht Konsistenz über einzelne Maßnahmen hinaus. Deshalb möchte ich Strukturen schaffen, die gute Gestaltung im Alltag einfacher und verlässlicher machen.
Vorlagen, Komponenten und Guidelines können auch Kollegen ohne gestalterische Ausbildung dabei unterstützen, professionelle Präsentationen und Unterlagen zu erstellen. Ein funktionierendes Designsystem gibt Orientierung und reduziert unnötigen Aufwand.
Damit Richtlinien helfen, müssen Menschen ihren Nutzen verstehen. Wenn ein Kollege durch meine Erklärung nachvollziehen kann, welchen Einfluss ein professioneller Auftritt hat, und Gestaltungsrichtlinien als Unterstützung erlebt, wäre das für mich ebenso ein Erfolg wie ein gelungenes Gestaltungsergebnis. Gute Gestaltung sollte möglichst weder vom Zufall noch dauerhaft von einer einzelnen Person abhängig sein.
Mitdenken und andere befähigen

Ich möchte meine Erfahrung früh dort einbringen, wo eine gestalterische, konzeptionelle oder nutzerorientierte Perspektive zu einer besseren Lösung beitragen kann. Das kann ein Kommunikationsprojekt sein, aber ebenso eine interne Anwendung oder ein Prozess, bei dem Menschen mit Informationen und Benutzeroberflächen interagieren.
Auch ohne Experte für den zugrunde liegenden Prozess zu sein, kann ich aus Nutzersicht sinnvolle Fragen stellen: Verstehe ich, was von mir erwartet wird? Finde ich die relevante Funktion? Ist der nächste Schritt klar? Bekomme ich eine verständliche Rückmeldung?
Dabei respektiere ich die Grenzen meiner Expertise. Wo andere mehr verstehen als ich, muss ich keine eigene Meinung beisteuern. Wo meine Perspektive einen Mehrwert bietet, bringe ich sie gerne ein.
Durch Beratung, Feedback, Guidelines, Beispiele oder Schulungen möchte ich Gestaltung im Unternehmen verständlicher und zugänglicher machen.
Ich möchte dazu beitragen, dass andere selbst bessere Ergebnisse erzielen können.
Zusammenarbeit in guter Erinnerung
Wenn ich ein Team nach einigen Jahren wieder verlassen würde, wäre einer der schönsten Sätze für mich: „Die Zusammenarbeit mit Martin hat Spaß gemacht.“
Damit meine ich eine Zusammenarbeit, in der fachlicher Anspruch und ein angenehmer Umgang zusammenkommen. Wir sollten einander widersprechen dürfen, voneinander lernen und uns auf Zusagen verlassen können. Persönlicher Austausch und gemeinsames Lachen gehören für mich dazu.
Das gilt für Kollegen ebenso wie für externe Partner und Dienstleister. Im besten Fall arbeiten Menschen gerne miteinander und erzielen gemeinsam ein Ergebnis, auf das sie stolz sein können.
Spuren hinterlassen
Wenn ich auf meine Arbeit zurückblicke, möchte ich sehen können, dass sich etwas entwickelt hat: im Außenauftritt, in den Systemen und im Verständnis für Gestaltung. Dass meine Perspektive zu besseren Lösungen beigetragen hat und Menschen gerne mit mir gearbeitet haben.
Dann hätte ich erreicht, was beruflicher Impact für mich bedeutet:
Ich habe meine Spuren hinterlassen. Nicht laut. Aber sichtbar.
07 Ideal Working Environment
Vertrauen schafft den Raum für gute Arbeit

Ich arbeite am besten in einem Umfeld, das mir Verantwortung überträgt und den Freiraum gibt, sie eigenständig wahrzunehmen. Klare Ziele, Erwartungen und Zuständigkeiten helfen mir, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen einzuordnen. Innerhalb dieses Rahmens möchte ich meinen Weg zu einem guten Ergebnis selbst gestalten können.
Fachlicher Austausch, Feedback und gemeinsame Entscheidungen gehören dazu. Permanente Kontrolle und unnötige Abstimmungsschleifen helfen mir selten, bessere Arbeit zu leisten.
Flexibilität mit Sinn
Zu diesem Vertrauen gehört für mich ein zeitgemäßer Umgang mit Arbeitszeit und Arbeitsort. Der persönliche Kontakt zu Kollegen ist mir wichtig. Spontane Gespräche und der gemeinsame Kaffee tragen ebenso zur Zusammenarbeit bei wie fachlicher Austausch.
Gute Zusammenarbeit ist für mich jedoch nicht grundsätzlich an einen gemeinsamen Ort gebunden. Gespräche können persönlich oder per Video stattfinden; auch Workshops lassen sich mit den richtigen Werkzeugen digital gut gestalten. Konzentrierte Einzelarbeit gelingt manchmal zu Hause besser als in einem belebten Büro.
Deshalb sollte sich der Arbeitsort danach richten, was die jeweilige Aufgabe braucht. Wenn persönliche Begegnung sinnvoll ist, eine Veranstaltung stattfindet oder eine Aufgabe meine Anwesenheit voraussetzt, bin ich gerne vor Ort. Weniger überzeugend finde ich starre Präsenztage, deren wichtigster Grund die Anwesenheit an bestimmten Wochentagen ist.
Flexibilität bedeutet für mich, Arbeitszeit und Arbeitsort verantwortungsvoll so organisieren zu können, dass sie zur Aufgabe, zur Zusammenarbeit und zum eigenen Leben passen.
Fachlicher Austausch auf Augenhöhe

Auch nach vielen Jahren Berufserfahrung möchte ich Menschen um mich haben, von denen ich lernen kann. Ich wünsche mir Kollegen aus Design und angrenzenden Disziplinen, mit denen ich Ideen diskutieren, Lösungen hinterfragen und ausgiebig fachsimpeln kann.
Gerade unterschiedliche Spezialisierungen eröffnen neue Perspektiven. Ich muss nicht alles so gut können wie ein ausgewiesener Spezialist und schätze es, wenn andere in einzelnen Bereichen tiefer gehen als ich.
Unterschiedliche Stärken machen ein Team besser.
Breite mit fachlicher Tiefe
Die Vielseitigkeit meiner bisherigen Arbeit habe ich als Bereicherung empfunden. Corporate Design, digitale Anwendungen, Datenvisualisierung, Präsentationen, Veranstaltungen und Bewegtbild stellen unterschiedliche Anforderungen. Diese Abwechslung hält meine Arbeit für mich interessant.
Was weniger zu mir passt, ist eine Rolle, die sich dauerhaft auf einen sehr kleinen Ausschnitt von Gestaltung reduziert. Qualität und Details sind mir wichtig; dabei möchte ich den Zusammenhang mit der eigentlichen Aufgabe im Blick behalten.
Ob ein Icon minimal anders aussieht oder ein Eckradius verändert werden sollte, kann im richtigen Kontext relevant sein. Wenn solche Detailentscheidungen zum wesentlichen Inhalt meiner täglichen Arbeit werden, wäre das vermutlich nicht das richtige Umfeld für mich. Mich interessiert das Zusammenspiel und das Ergebnis.
Die interessante Aufgabe zählt
Um mich für meine Arbeit zu begeistern, muss ich nicht für eine Marke arbeiten, deren Produkte ich selbst kaufen würde. Auch ein zunächst nüchternes Thema kann spannende gestalterische Aufgaben hervorbringen.
Vielleicht müssen komplexe Informationen verständlich visualisiert werden. Vielleicht braucht eine Veranstaltung eine visuelle Idee, ein Lageplan soll Orientierung schaffen oder eine digitale Anwendung einfacher zu bedienen sein. Meine Arbeit geht häufig über das eigentliche Produkt hinaus.
Deshalb entscheidet für mich weniger die Außenwirkung einer Branche darüber, ob eine Aufgabe interessant ist. Mich reizt die Möglichkeit, Zusammenhänge zu verstehen, Inhalte zu strukturieren, zu gestalten und etwas zu verbessern.
Professionalität braucht Menschlichkeit
Neben den fachlichen Bedingungen zählt für mich, mit wem ich arbeite und wie wir miteinander umgehen. Ich wünsche mir ein Umfeld, in dem Menschen offen sprechen, zuhören und unterschiedliche Meinungen aushalten. Fachliche Argumente sollten unabhängig von der Hierarchieebene Gewicht haben.
Ich möchte Kollegen als Menschen kennenlernen, gemeinsam arbeiten und diskutieren, aber ebenso miteinander reden und lachen können. Arbeit darf anspruchsvoll, anstrengend und manchmal kontrovers sein. Respekt, Vertrauen und ein gewisses Maß an Leichtigkeit sollten dabei erhalten bleiben.
Mein ideales Arbeitsumfeld muss nicht perfekt sein. Entscheidend ist für mich, dass ich Verantwortung übernehmen und mich einbringen kann und dass gute Arbeit und ein gutes Miteinander zusammengehören.
08 Closing Note
Der Mensch hinter den Stationen

Ein Lebenslauf zeigt, was ich gemacht habe. Zeugnisse zeigen, wie andere meine Arbeit erlebt und bewertet haben.
Dieses Brand Book soll etwas anderes ergänzen:
Wie denke ich? Wie arbeite ich? Was ist mir wichtig?
Wenn nach diesen Seiten ein klareres Bild davon entstanden ist, wer ich als Mensch und potenzieller Mitarbeiter bin, hat dieses Buch seinen Zweck erfüllt.
Vielleicht passt meine Art zu denken und zu arbeiten sehr gut zu dem, was ein Unternehmen sucht. Vielleicht auch nicht. Beides herauszufinden, ist wertvoll.
Eine gute Zusammenarbeit beginnt für mich mit einem möglichst ehrlichen Bild davon, was beide Seiten voneinander erwarten können – schon vor dem ersten Arbeitstag.
Und wenn nach der letzten Seite noch Fragen offen sind, über die es sich zu sprechen lohnt, ist das vielleicht ein guter Anfang.
